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Hard work pays off - Marathon No 3

Über meinen 1. und 2. Marathon gibt es ja bereits einen Blogeintrag und hier folgt nun der Bericht zu meinen 42.195kmin Frankfurt.

Da die 4h Grenze bereits im April gefallen war, stand ich völlig relaxt an der Startlinie. Es ging mir wirklich nur darum, diese, mir völlig fremde Stadt, laufend kennenzulernen und meinen Saisonabschluss zu geniessen.
Die Strecke versprach dätschflach und mit vielen Stimmungsmachern zu sein.

Kurz vorm Startschuss fand ich mich neben einer jungen Frau mit einem Ironman Cap wieder. Natürlich kamen wir schnell ins Gespräch und es war klar, wir starten das Schätzchen mal zusammen. Herrlich, wenn man neben einer neuen Stadt auch noch eine neue Geschichte zu einem neuen Menschen kennenlernt. Wir rannten und rannten und die Kilometer flogen nur so an uns vorbei. Gevatter Garmin hatte (wie bereits vorher klar war) zwischen den ganzen Hochhäusern keinen GPS Empfang, so dass man sich wirklich auf sein Körpergefühl verlassen musste, was die aktuelle Pace betraf. Und die fühlte sich super an.

Die Stimmung am Streckenrand war einfach phänomenal. Es hatte auf dem ganzen Kurs keinen Meter, wo nicht gejubelt, gepfiffen, gebrüllt oder lustige Motivationsschildchen hochgehalten wurden. Das macht die ganze Geschichte doch auch nochmal um einiges leichter.
Bei Kilometer 18 hatte ich n Miniminihänger und mir schoss einfach kurz durch die Birne, dass es doch schon auch noch n ganzen Eckchen zu laufen ist. Nach wenigen Minuten verging das jedoch dank meinem neuen Laufbuddy Ezo wieder, die mich weiter super unterhielt und ablenkte.
Die Verpflegung mit Squeezy Gels wurde artig nach Plan umgesetzt. Ab Kilometer 21 begann ich langsam ab und an n klitzekleinen Schluck Wasser zu trinken. Ich habs net so mit Getränken beim Rennen, weil mir das immer mega auf den Magen schlägt. Ich fang so spät wie möglich damit an und benetzte dann eher nur den Mund, als das man wirklich von Trinken sprechen könnte.

Bei Kilometer 28 drosselte Ezo ein bissl das Tempo und sagte, sie würde sich jetzt mal so bei ner 5:30er Pace einpegeln. Meine Beine hatten aber noch so viel Bock, dass mir 5:30 einfach zu langsam für den aktuellen Zustand erschien. Also See you at the finishline baby und unsere Wege trennten sich. Ich rannte..und genoss….und zwar so richtig. Ein Blick auf die Uhr verriet mir irgendwann, dass die 4h Grenze locker wieder drin sein dürfte. Aber es ist und bleibt ein Marathon. Du weisst nie, was noch passiert und save bist du eben einfach erst im Ziel.
Das Wetter war eher schlecht als recht, immer wieder Regen und ab und zu auch ein bisschen Wind. Aber beim Laufen ist mir das ehrlich gesagt völlig Latz. Ich mag es nur nicht, schon klatschnass im Startblock zu stehen, der Rest ist mir egal.
Ab Kilometer 30 kam mir der spontane Geistesblitz, ich könnte ja versuchen, das Tempo jetzt noch n bisschen anzuziehen. Trittfrequenz erhöht und ab ging der Peter. Ich war sowieso die ganze Zeit schon baff erstaunt, dass mein Puls so im 147er Bereich lag. Wurde Zeit, dass zu ändern, nicht das der Coach hinterher denkt, ich hab n Kaffeekränzchen gemacht.
Also hab ich die Hacken in Teer gehauen und wurde dann noch mehr angestachelt, als ich meine Coaches am Streckenrand brüllen hörte. Welch Freude, sie hier zu sehen, so geil!

Wie im Flug verging das letzte Stück und eh ich mich versah bog ich auch schon in diese fantastische Festhalle ein und genoss die letzten Sekunden meines 3. Marathons. Mit einem breiten Grinsen stoppte ich Gevatter Garmin. 3:45:13h. Leck mich doch! Whaaaat?
Am 01.01.2019 bin ich meinen ersten Marathon mit 4:12h gerannt. Im April dann mit 03:58h und jetzt 03:45h!? Verdammt, es lohnt sich. Das harte Training zeigt Erfolge und das nicht zu knapp. Hätte mir jemand im Januar beim Zieleinlauf gesagt, in 10 Monaten renn ich die selbe Distanz fast ne halbe Stunde schneller, ich hätte ihn für völlig verrückt erklärt.

Ein Marathon ist eine ganz besondere Reise. Du brauchst neben Beinchen eben auch Köpfchen. Du musst dir dein Rennen einteilen. Du brauchst Plan B für den Hänger, der ganz sicher irgendwann kurz mal kommt. Du brauchst n guten Nutrition Plan, denn ohne Happa Happa zwischendurch ist es meiner Meinung nach nicht machbar. Du brauchst n trainiertest Bäuchlein, bzw. n gutes Körpergefühl über deine Verdauung, damit du nicht wertvolle Minuten auf dem Dixi liegen lässt (welch Wortspiel). Du brauchst n Paket Mut, um einfach mal was zu riskieren und schneller zu rennen als du es sonst tust.

Und für all das wirst du belohnt. Mit einem Zieleinlauf, bei dem du wirklich mega stolz bist. Mit einem riesen breiten Grinsen über deinem Gesicht, wenn du die Kiste nach Hause gebracht hast. Mit einem herrlichen Gefühl in den Beinen an den nächsten Tagen, dass dir zeigt, du hast es dir so richtig gegeben.

Es ist ein völlig anderes Gefühl, als beim Finish von nem Triathlon und ich könnte mir nie vorstellen, mich nur aufs Laufen zu beschränken, aber Hand aufs Herz, es schwingt auch viel Stolz mit, wenn man sagen kann:
Ich habe 42.195km lächelnd gefinisht!