Zwischen verantwortungslos und Vorbild
Mit 14 Monate altem Baby nach Hawaii
Es allen recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann.
Den Spruch sagt meine Mama ganz oft und wieder einmal ist er so wahr. Wir sind mit Alexandra zur Ironman Weltmeisterschaft nach Hawaii geflogen, weil Papa dort teilgenommen hat.
33 Stunden Reise, 12 Stunden Zeitverschiebung- einmal ans andere Ende der Welt bitte.
Bereits vorher gingen die Meinungen in unserem Umfeld sehr auseinander. Es gab die Stimmen, die es unverantwortlich und egoistisch finden, dass wir unserem Kleinkind diesen Stress antun, nur weil wir unseren Stiefel durchdrücken wollen und diesem Hobby nachgehen möchten. Fair enough.
Es gab aber auch die Stimmen, die uns als Vorbild sehen, weil wir unser Leben auch mit Kind weiterleben. Anders, natürlich, aber nicht mit unendlich vielen Verzichten. Triathlon ist nicht nur unser Hobby. Es bestimmt unser Leben. Es ist unser Lifestyle. Alexandra ist dort reingeboren. In der Schwangerschaft mit mit täglich Rad gefahren, geschwommen und hin und wieder gerannt. Sie wurde geboren und nach wenigen Wochen mit uns joggenderweise im Thule Kinderwagen durch die Wallachei geschoben. Sobald sie stabil genug war, wurde sie im Anhänger festgeschnallt und lernte, wie abwechslungsreich unser Hinterrad vom Velo aussieht, wenn man damit durch die Schweiz radelt. Und ich verrate dir eins: Dieses Kind heult draussen NIE. Wenn wir sportlich mit ihr unterwegs sind, dann ist sie wirklich immer happy. Wenn sie daheim mal am durchdrehen ist und wir sie nicht beruhigen können, dann ist ne sportliche Aktivität mit ihr noch immer die Lösung gewesen. Der Wind im Haar, die Sonne in der (natürlich eingecremten) Schnüz und sie lacht sich kaputt vor Freude. Vielleicht, weil sie es kennt. Vielleicht aber auch, weil Mami und Papi draussen auch immer glücklich und entspannt sind- wer weiss das schon.
Von Anfang an war klar, Alexandra wird mit nach Hawaii kommen. Die Reise ist ohne Kind schon kein Zuckerschlecken, aber mit natürlich nochmal next level. Du hängst nicht einfach im Flugzeug, regst dich über zu wenig Beinfreiheit auf, liest zwei Bücher und schaust drei Filme, NEIN. Du bist jetzt das Unterhaltungsprogramm. Und die kleine tickende Zeitbombe kann jede Sekunde hochgehen. Zwischen friedlich schlummern und die ganze Maschine zusammenbrüllen kann ein Wimpernschlag liegen. Und auch unsere Nerven sind nach 33 Stunden Reise selbstverständlich nicht mehr komplett fresh.
Ein paar Tipps, falls du vorhast mit deinem Zwerg eine Fernreise zu unternehmen:
Geize nicht bei der Platzreservierung. Babys unter 10kg können bei Langstreckenflügen einen Babybasket bekommen- quasi ein Bettchen, was an die Wand montiert wird. Dementsprechend musst du die Plätze hinter dieser Wand reservieren- hat uns untern Strich ca. 600CHF mehr gekostet für Hin- und Rückflug. Hat uns das Leben aber auch etwas leichter gemacht.
Snacks ändern alles. Wenn die Maus am jammern war, hat so ne Maisstange auf die Kralle die Stimmung meist schnell gehoben. Viele empfehlen Schnuller oder trinken bei Start und Landung wegen des Druckausgleiches. Damit hatte Alexandra absolut keine Probleme und hat beides meistens verschlafen. Bei langen Flügen kann man immer wieder aufstehen und mit der Kleinen durch den Flieger laufen. Einfach mal eine andere Position und ein anderes Bild sorgt für Abwechslung und gute Laune im Kleinkind Quarkhirnchen. Spielsachen mitnehmen ist auch wichtig, wobei man sagen muss, dass sie in einem Alter ist, wo auch der Flyer mit den Sicherheitshinweisen ein klasse Spielzeug ist.
Organisation ist alles.
Wir hatten drei Handgepäckstücke. Eines für uns- da war zuviel drin, haben wir alles nicht gebraucht. Dicke Jacke und Halstuch waren von Bedeutung, aber Kopfhörer und Handy kamen nicht zum Einsatz. Dann die Wickeltasche mit allem, was schnell griffbereit sei musste, für die kleine Löwin. Snacks, Spielkram, Brei, Milch, Nuschi, Wechselklamotten, Windeln, Desinfektionsmittel etc. Und die zweite Alexandra Tasche zum auffüllen: Noch mehr Brei und Windeln, mehr Spielzeug, mehr Klamotten. Das System ist perfekt aufgegangen für uns.
Beim Umsteigen in Frankfurt, San Francisco und nachher in Kona hatten wir die Lütte immer in der Trage, haben aber unseren Kinderwagen mitgenommen in die Ferien (ihn aber als Sperrgut mit aufgegeben). Beim Mietwagen nicht vergessen, einen Maxi Cosy in der entsprechenden Grösse mit dazuzubuchen. Kostete uns 60 Dollar extra.
Alles beginnt mit der richtigen Einstellung im Kopf. Je gelassener wir waren, umso entspannter war auch die Maus. Sobald wir ins rudern kamen, warum auch immer, wurde sie ebenfalls unruhig.
Deswegen bereits bei der Buchung darauf achten, das es nicht zu stressig wird. Da wir mehrfach umsteigen mussten, haben wir die Anschlussflüge bewusst so gewählt, dass genug Zeit dazwischen war (ggf. für Immigration bei Reisen über den grossen Teich). Damit konnte Alexandra am Flughafen rumkrabbeln und mal was anderes sehen und sich frei bewegen und wir konnten auch mal durchatmen.
Wir sind davon überzeugt, dass für ein 14 Monate altes Kind WIR das Wichtigste sind.
Bei uns auf dem Arm zu sein, unsere Stimmen zu hören, gibt der Kurzen schon mega das Gefühl von Sicherheit und steigert das Wohlbefinden. Sie checkt doch nicht, ob wir gerade an der A der Heide fliegen, Hauptsache, die Ollen sind in der Nähe.
Man kann im Vorfeld alles planen, sich die schlimmsten Katastrophen ausmalen und Panik schieben, oder man kann einfach machen- ganz nach dem Motto wird schon schiefgehen. Und genau das haben wir gemacht. Was soll den passieren?
Mehr Details zu unserer Reise nach Hawaii gibt es nächsten Montag.
In diesem Sinne, lass mal dankbar sein :-)