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Freiheit

Die goldenen Handschellen in der Vorstadt mit Kind?

  • Innere Mitte und so

Ich habe mich immer nach Freiheit gesehnt. Ich bin stets meinen Weg gegangen. Bin gegangen, wohin mich der sprichwörtliche Wind getrieben hat. Ohne Rücksicht auf Verluste. Egal, ob ich gerade in einer Beziehung war, ne tolle Bude in Friedrichshain hatte oder in der Charité befördert wurde.

Freiheit bedeutete für mich persönlich oft auch alleine sein. Unabhängig. Kompromisslos. Entscheidungen nur vor mir selbst rechtfertigen- mit niemandem Rücksprache halten zu müssen. Das alles klingt genial, gerade wenn man es nicht hat. Aber keine Rücksprache bedeutete auch keinen Rückhalt. Bedeutete auch, jedes Süppchen alleine auslöffeln zu müssen.

Kein Problem, wenn man so ne starke emanzipierte Nudel ist, wie ich es stets war.

Um das ganze zu krönen hab ich während Corona meinen Benz und mein gesamtes Hab und Gut verkauft und bin ins Vanlife aufgebrochen. Fast ein Jahr on the road. Nach 2 Monaten hat mein Hirn zum ersten Mal kapiert, dass ich nicht einfach nur Urlaub habe, sondern das ich wirklich “frei” bin.

Und was bedeutete das denn nun? Hinfahren, wohin ich wollte. Schlafen, Essen, Trainieren. Alles, genau dann, wann ich es wollte. Sonnenschein, jeden Tag. An den schönsten Stränden Griechenlands, Spaniens, Albaniens aufgewacht. In die dunklen Seen Schwedens gehüpft und durch die Berge Frankreichs geradelt. Yoga zum Sonnenaufgang am Meer. Mit der selbstgedrehten Kippe auf dem Klappstuhl sitzen und ne kalte Cola trinken. Barfuss, braungebrannt, FREI.

Ja, es war eine fantastische Zeit und ich werde sie niemals vergessen, ABER: Freiheit bedeutet nicht automatisch glücklich sein. Wenn man so gar keine Verpflichtungen hat, sich keine Sorgen um nichts machen muss, dann kann man sich auch schnell leer fühlen. Schnell hiess bei mir dann eben so nach nem Jahr. Ich wollte mich wieder nützlich fühlen. Ausserdem ging mir der ewige Sonnenschein echt auf den Brenner. Man höre und staune, aber ich hab die Jahreszeiten wirklich vermisst.

5 Jahre sind seitdem vergangen.

Inzwischen sitze ich in unserem Häuschen in der Vorstadt, gehe wieder einem geregeltem Job nach. Bin mit Love of my Life in einer glücklichen Beziehung und geniesse jede Sekunde mit unserer gemeinsamen, wundervollen Tochter.

Und obwohl ich von aussen betrachtet absolut nicht mehr frei bin, fühle ich mich unglaublich frei.

Der Kauf eines Hauses und das Erzeugen eines Kindes erweckt vielleicht den Eindruck, man wäre gebunden. Aber wie gebunden ist man wirklich? Könnten wir nicht einfach (wenn wir wollten) die Hütte verkaufen und morgen mit der Kurzen nach Spanien auswandern und Orangen und Avocados anpflanzen? Oh doch. Das könnten wir. Und genau das im Hinterkopf zu haben, gibt mir persönlich eben das Gefühl von Freiheit. Die goldenen Handschellen legen wir uns nämlich alle nur selber an. Weil wir denken in einer Sackgasse zu sein, weil die Gesellschaft uns die Regeln des Lebens vorschreiben will.

Das einzige, was mir im Leben wirklich Freiheit genommen hat ist die Liebe.

Und den Preis bin ich gerne bereit zu zahlen, denn damn…Liebe ist so was krasses. Das ich dieses Gefühl wirklich erleben darf- mene Jüte wie dankbar ich darüber bin.

Ich könnte morgen mit dem Rad und den Taschen loszotteln und einfach ne Woche Bikepacking machen. Mein Mann würde das mit der Kleinen easy wuppen und mir die “Freiheit” auch geben, alleine etwas zu unternehmen. Aber ich kann nicht. Wegen der Liebe. Weil ich ihn und die kleine Löwin so vermissen würde, dass es einen riesen Schatten über mein Vergnügen werfen würde.

Trotzdem bin ich frei. Im Herzen und im Kopf.

In diesem Sinne…lass mal dankbar sein :-)