Das Matterhorn mit dem Rad
4512 Hm in 7:43h
- Sport ist immer die Antwort
Kennst du das Everesting? Wahrscheinlich nur, wenn du aus der Rad-Bubble kommst. Beim Everesting geht's darum: Du suchst dir einen Berg und fährst den so oft hintereinander hoch, bis du die Höhenmeter des Mount Everest gesammelt hast – also irgendwie über 8'000. Das ist schon 'ne ordentliche Hausnummer, so mitten in der Saison.
Letztes Jahr haben wir irgendwann beschlossen, dass ich die Mädchen-Variante davon mache: das Matterhörnchen. 4'478 Höhenmeter. Also hab ich mir einen Berg gesucht und bin den probehalber schon ein paar Mal hochgefahren. Kurz darauf stellte sich raus, dass wir schwanger sind – und damit war das Thema erstmal auf Eis gelegt.
So. Nun ist dit Kind ja geboren und es wurde wirklich Zeit für ein kleines Erfolgserlebnis und eine neue Challenge.
Also haben wir das Ganze relativ spontan und ohne grosses Training im Vorfeld aufs Programm genommen.
Der Berg sollte die Saalhöhe werden. 4,5 Kilometer mit etwas über 300 Höhenmetern. Nach Adam Riese also etwas mehr als 14-mal da hochhämmern.
Andy hatte an dem Tag auch fünf Stunden Rad auf dem Plan und hat sich deshalb entschlossen, daraus ein gemütliches GA2-Training zu machen. Schwiegermama hat die liebste Tochter gehütet und so sassen wir um 8 Uhr im Sattel. Das Auto haben wir oben auf der Passhöhe geparkt und mit Nutrition beladen.
Im Vorfeld hab ich mir noch mega viel Musik runtergeladen und Playlists erstellt, weil ich dachte, ich werde sicher zehn Stunden unterwegs sein, Langeweile haben und Akku sparen müssen. Musik hören und so.
Turns out: Ich habe genau zwei Anstiege Musik gehört und bin den Rest komplett allein mit meinen Gedanken gefahren.
Die Verpflegung war so geplant, dass ich alle zwei Runden einen Bidon mit 45 Gramm Carbs leer haben sollte. Dazwischen noch Gels und Gummibärli. Schon in Runde drei hatte ich richtig Kohldampf (trotz gutem Frühstück daheim) und hab mit den Gummibärchen angefangen.
In Runde fünf dachte ich dann, ich müsse kotzen.
Der Gelbauch beziehungsweise Carbsbauch hat mir mega zu schaffen gemacht und mir war wirklich sauübel. Also hab ich ein paar Runden nur Wasser getrunken und dann wurde es eigentlich auch schnell wieder besser.
Mental dachte ich, es wird viel härter, immer wieder die gleiche Strecke zu fahren. Aber es war sooo, sooo angenehm. Der Verkehr war entspannt, das Wetter perfekt und ich hab mich wirklich super gefühlt. Es ging auch nicht um Geschwindigkeit oder Wattwerte, sondern einfach ums Machen und Schaffen.
Andy war natürlich wesentlich schneller fertig als ich – das Tier. Und hat mich dann die letzten drei Runden richtig lustig unterhalten. Mit dem Auto am Streckenrand gestanden, getanzt, gesungen, mir Süsskram gereicht – richtig gut.
Die Beine und der Hintern haben das Ganze auch erstaunlich gut weggesteckt.
Da war ich doch mal wieder von mir selbst überrascht.
Und so ging der ganze Zenober nach 7:43 Stunden und insgesamt 4'512 Höhenmetern zu Ende.
Challenge geschafft.
War wirklich, wirklich richtig toll.
Fürs Ego. Für die Seele. Für uns.
Spannend war natürlich auch zu sehen, wie man die Abfahrten immer entspannter runtergehämmert ist. Ich fahr ja eh ohne Sinn und Verstand bergab, aber wenn du 15-mal denselben Berg runterschiesst, dann gibst du irgendwann wirklich Gas.
Es war ein durchaus gelungener Sonntag und die nächste lustige Challenge ist schon in Planung.
Was für ein Glück, hab ich einen Körper, der so einen Quatsch mitmacht.
In diesem Sinne: Lass mal dankbar sein. :-)