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Bin ich erwachsen?

Neulich bin ich mit der Frage des Erwachsenseins konfrontiert worden.

Bin ich erwachsen, oder nur einfach ein grosses Kind?

Das hat mich nachdenklich gemacht. Es beginnt ja mit der Definition vom Erwachsensein (die sicherlich bei jedem anders aussieht).

“Erwachsensein bedeutet, Verantwortung für das eigene Leben, seine Entscheidungen und deren Konsequenzen zu übernehmen.”.

Das ist die Antwort von Carmen (Chat GPT), wenn ich diese Frage eintippe. Okay, in dem Fall bin ich schon sehr, sehr lange erwachsen. Ich habe früh gelernt, Verantwortung für mich und meine Taten übernehmen zu müssen. Und Konsequenzen habe ich definitiv auch vor meinem 20. Geburtstag längst gespürt und verstanden.

Aber irgendwie ist Erwachsensein in meinem Kopf auch: Das Haus, das eigene Auto, das Kind, die Karriere, der Weihnachtsbaum, sich mit Finanzen zu beschäftigen, auf die Meinung anderer pfeifen und selbstständig zur Vorsorge zu gehen. Und nicht zu vergessen schlaue Ratschläge zu geben, weil man ja ach so viel Lebenserfahrung hat.

Erwachsensein bedeutet aber auch, es wieder cool zu finden, kindisch zu sein. Man fühlt sich frei und wild, wenn man mal in eine Pfütze hüpft, oder nackig ne Arschbombe in einen See macht. Als Jugendlicher findet man das doch einfach nur peinlich, oder?

Erwachsensein- ist das jetzt also blöd?

Etwas, vor dem man Angst haben müsste? Etwas, das an eine Zahl, eine Charaktereigenschaft oder etwas Materielles geknüpft ist?

Ich kann nicht beantworten, seit wann ich erwachsen bin. Ich kann sagen, dass ich mir manchmal wünschte, es nicht zu sein. Weniger zu denken, mehr Verantwortung abgeben zu können, einfach immer einen vollen Kühlschrank zu haben und auf eine Erhöhung der Krankenkasse oder Strompreise zu pfeifen, weil man gar nicht begriffen hätte, was das eigentlich bedeutet.

Auf der anderen Seite ist es auch herrlich, sein eigener Herr zu sein. Sich nur an Regeln halten zu müssen, die man versteht oder selbst gemacht hat- warte mal, das mit der Steuer kapier ich eigentlich auch nicht und warum das Gesundheitssystem so katastrophal ist und ich mich dumm und dämlich zahle, damit wir der 99 jährigen arteriosklerotisch verpesteten Omma noch ne neue Hüfte reinhämmern können, damit sie dann im Rahmen des Spitalaufenthaltes eine nosokomiale Infektion mit MRSA oder ESBL bekommen kann und unter Antibiose noch ne Phlebitis schiebt….aber ich schweife ab. Also eigentlich verstehe ich ganz viel auch jetzt nicht, das will ich damit sagen.

Ich habe keine Ahnung von Wirtschaft und Politik. Ich habe von vielem keine Ahnung, wenn ich so drüber nachdenke. Ich zerbreche mir manchmal stundenlang die Waffel über Dinge, die andere in einer Sekunde zu den Akten legen würden. Ist das, weil ich erwachsen bin, oder ist das, weil ich mehr IQ hab als drei Meter Feldweg?

Ich erlebe Jugendliche, die sich Gedanken um die Meinung anderer machen, das ich platzen könnte, weil es mir so leid tut. Ich höre Gesprächen über Eyebrowlifting und neue Gesichtscremes zu und denke, was für ein Glück, hab ich meine Visage so akzeptiert, wie sie ist und einen Mann, der nicht gerade im Schwall erbrechen muss, wenn er mich ansieht.

Man sagt doch- man ist so alt, wie man sich fühlt.

Es gibt Momente, da bin ich 5 Jahre alt und es gibt Momente, da bin ich 75. Und ich wette, es geht dir auch so.

Ein Stück Kindsein möchte ich mir bewahren. Und trotzdem find ich es toll, älter zu werden. Jedes Jahr macht mich erfahrener und bringt mich weiter. Irgendwann ist die Uhr abgelaufen, natürlich. Wir wissen auch nicht, wann das soweit sein wird, aber ab und an mal all die Ernsthaftigkeit und all diese Pflichtgefühle ablegen und Kind sein- das gehört doch auch zum Erwachsensein dazu.

In diesem Sinne…lass mal dankbar sein.