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66km Rennen - meine Definition eines perfekten Geburtstages

Ein Run um den Zürisee, 66km. Letztes Jahr hab ich es getan…und dieses Jahr wollte ich es erneut wissen.

Brunchen mit Freunden, Shoppen in der Bahnhofstrasse und am Abend gemütlich kuschelnd auf der Couch liegen und anstossen. So sieht wohl ein normaler 32. Geburtstag aus.
Ich bin um 06:00Uhr aufgestanden, hab nen überaus attraktiven nackten Mann im Bett zurückgelassen und habe mich mit meiner Freundin BiPa am Zürisee getroffen. Dort wurde ich mit einer Wunderkerze und einer Thermoskanne voll Kaffee begrüsst.

Abendteuer Zürisee 2.0.
Bipa (eingepackt wie ein Schneemännchen) wurde mit Squeezy Gels, Wasser, Eistee, Knoppers, Kinderbueno und UE Boom beladen und auf mein Mountainbike gesetzt und ab ging die Post.
Bei frischen 6 Grad rannte ich also los. Der Tag entpuppte sich jedoch immer mehr zum Vorzeigebeispiel von perfektem Herbstwetter, mit Sonnenschein und grossartigen Farben.

Was haben wir so erlebt unterwegs?
Die ersten Kilometer an der Goldküste von Züri waren für mich wie ein Heimspiel. Die Strecke bin ich in der Vorbereitung auf den Frankfurt Marathon (vor 2 Wochen) so oft gerannt, da kenn ich jeden Grashalm.
Ziemlich am Anfang meldete sich jedoch schon das Bäuchlein und schrie nach nem Boxenstopp auf dem Klo, um nicht unnötig Ballast mit auf den weiten Weg zu nehmen. Wer die Seestrasse kennt, der weiss, da wimmelt es nicht gerade von WCs. Meine Rettung war dann n Toi Toi mitten an der Hauptstrasse auf ner Baustelle. Kaum war ich auf dem Örtchen, schwitze BiPa auf der anderen Strassenseite Blut und Wasser. Kamen doch wahrhaftig 5 Bauarbeiter mit der Brotbüchse beladen zurück aus der Frühstückspause und steuerten alle zusammen in Richtung ToiToi. Ich zitiere BiPa: So scheisse, wie ich aussah mit Helm und Skihose konnte ich ja nicht mal mit ihnen flirten um sie abzulenken, damit nicht einer an der Klotür zerrt. Ich weiss ja, du brauchst deine Ruhe auf der Schüssel! Lange Rede kurzer Sinn, die Jungs stiegen in den geparkten Transporter und fuhren ab und ich hab von dem ganzen Auftritt gar nix mitbekommen.

Bei Kilometer 18 ist irgendwie immer mein Mini Hängäää Moment (auch auf der Halbmarathon/ Marathon Distanz). Nach einer Minute haben wir die UE Boom angeschmissen und sind lauthals mitgröhlend in Rapperwil eingekehrt. Da war die City erstmal kurz wach! Somit liefs bis dahin ansonsten wie am Schnürchen.
2018 sind wir in Rappi erstmal in MC Donald eingekehrt und haben uns fett gefressen. Den Teil haben wir dieses Mal ausgelassen. Es gab Knoppers und Tee, 5 min Beinchen ausschütteln und weiter ging es.
Allgemein habe ich dieses Mal deutlich weniger und vor allem nur sehr kurze Pausen gemacht. Denn wieder anzulaufen find ich mühsamer, als durchzuziehen. Aber ich hatte ja keinen Stress bzw. Zeitdruck, von daher musst ich mir auch nicht aspirierenderweise den Kinderbueno im Laufen hinterschrauben, sondern konnte dafür auch einfach mal anhalten.
Bipa und ich haben die ganze Zeit über so gestrahlt und damit alle angesteckt, die uns entgegen kamen. Die Menschen haben eben Freude, wenn sie zwei Mädels sehen, die geile 90er Mucke dröhnen lassen und über beide Backen grinsen und freundlich Grüezi sagen.
Bauarbeiter am Strassenrand, die uns schon von Weitem kommen hörten und mit dem Kopf chickenmässig mitwippten und uns zujubelten. Kleine Kinder, die einfach so ein paar hundert Meter mit uns liefen. That's why I love my sport!
Die Leute, denen wir begegnet sind, wussten nicht, ob ich schon 58km in den Beinen hatte, oder 5. Aber sie haben mich motiviert, allein, weil sie mir begegnet sind…freundlich, mit einem Lächeln, was gibt es schöneres!?
Bei km 61 war zum ersten Mal der Moment, wo ich gesagt hab, dass ich auch so langsam keinen Bock mehr habe. Aber anfangen zu jammern lohnte sich dann für die letzten paar Kilometer ja auch nicht mehr.

Nach 06:50h, 66km kamen wir wieder am Auto an. 136 Durchschnittspuls, Pace von 06:12 min/km.
I did it again! Es war längst nicht so eine Grenzerfahrung für mich, wie noch im letzten Jahr. Da hockte ich 15km vor Finish auf dem Asphalt hab mit der Faust drauf geschlagen und mich selbst rundgemacht, mich jetzt gefälligst zusammenzureissen und das durchzuziehen. Knieschmerzen und eine völlige Erschöpfung haben mich danach halb ins Delir gehauen.

Dieses Jahr kam ich am Auto an und war natürlich auch wieder froh, die Runde gepackt zu haben. Aber an meine Grenze bin ich nicht gekommen. Es war lang, es war kein Spaziergang, aber es hat unglaublich viel Spass gemacht und ich hatte wesentlich mehr Freude, als das ich auch nur ansatzweise gelitten hätte. 1x mehr- hard work pays off. Bereits 48 Stunden nach dem Run sah man mir beim Laufen nicht mehr an, was ich kurz zuvor noch getan hatte. Es war einfach ein langer, naja, ein sehr langer GA1 Run.
Und es steht fest, ich werde es wieder tun. Entweder schneller, oder weiter…denn da geht noch was.